Sex im Schein und im Sein

Der momentane Sozialcharakter der in unserer Gesellschaft befördert wird, zeigt mehr und mehr narzisstische Störungsbilder, die sich im Individuum sukzessive in histrionisches Ausagieren wandeln können.

Wie wirkt sich diese Wandlung unserer Persönlichkeit auf unsere Sexualität aus?

Die Einflüsse, der am marktfundamentalistischen Denken erkrankten Gesellschaft, in der mit subtilen Methoden unsere natürliche Sexualität unterdrückt wird und zur Ware verkommt, in der wir unsere intimsten Begegnungen konsumieren, uns darbieten und im gegenseitigen Menschenkonsum entwürdigen, gipfelt darin, dass unsere sexuelle Kraft zur Ersatz- und Scheinbefriedigung  verkommt.

Ein Störungsbild, in dem ein fremd gespiegeltes Selbst durch Konsum und die potenzielle Fähigkeit zum sexuellen Konsum bestätigt wird und die eigentliche psychische Erfahrung  durch Perfektions- und Leistungsdruck vom körperlichen Erleben abgespalten ist, verbaut den Zugang zum ureigenen Selbst. In Folge konstruiert unser fremd gespiegeltes Sein Emotionen und Gefühle, die scheinbar tatsächlich erlebt werden, um der geforderten jugendlich-gesunden Lebendigkeit als interessantem Konsumartikel, mit seiner konstruierten Gefühlswirklichkeit zu entsprechen.

Das Sein an sich ist weder durch quantitativen Sex erfahrbar, noch durch immer stärkere Reize, die, dem Konsumverhalten geschuldet, notwendig werden. Ein Baustein in diese Einsicht ist die Fähigkeit der Hingabe in das was tatsächlich ist, in der sich unsere egozentrischen Konzepte auflösen können. Dies kann nur im tiefen gegenseitigen Anvertrauen geschehen. Erst dann kann es sein, dass sich unser Geist in orgiastischen Erfahrungen von Vorstellungen befreit und sich im Überkommen unserer Kontrolle und schließlich unserer Sinne offenbart.

Sexualität erfüllt sich in der körperlichen Vereinigung, der psychischen Auflösung und der geistigen Öffnung, die aus vertrauensvoller Hingabe heraus geschehen kann, wenn sich die Dualität des projizierten Selbst in die Erfahrung des Seins wandelt.

Oswin Soritz & Susanne Dicken, Weg der Wonne

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